Fokus Bracketing und Stacking
Was ist Fokus Stacking bzw. Bracketing überhaupt? Beim Fokus Stacking werden mehrere Bilder übereinandergelegt, die jeweils auf verschiedene Distanzen fokussiert sind. So schafft man ein zusammengesetztes Bild, welches auf jeder Ebene besonders Scharf ist. Das Fokus Bracketing ist dabei lediglich die Funktion der Kamera, die automatisch eine Bilderserie mit verschiedenen Fokuspunkten aufnimmt. Manuell ist das Fokus Stacking natürlich auch möglich, es ist aber zeitintensiver und kann in der späteren Zusammenführung ungewollte Artefakte verursachen.
Direkter Vergleich: Links ein Foto aus der Serie mit einer Blende von f2.8, Rechts das fertig zusammengesetzte Bild.
Wie kann ich Fokus Bracketing mit meiner Fujifilm Kamera ausprobieren? Die meisten Fujifilm Kameras haben glücklicherweise bereits eine Fokus-Bracketing-Funktion eingebaut. Doch auch hier erfordert es etwas Vorbereitung, um den Modus richtig zu verwenden.
Als erstes stellen wir das Dateiformat auf RAW oder RAW+JPEG ein, um so viele Bildinformationen wie möglich zu speichern.
Image Quality Setting (IQ) > Image Quality > RAW
Anschließend stellen wir den Auslöser von mechanisch (MS) auf elektronisch (ES). Dies ermöglicht uns eine besonders schnelle Aufnahmeserie ohne mikroerschütterungen durch den mechanischen Auslöser.
Shooting Setting > Shutter Type > ES Electronic Shutter
Ich empfehle zusätzlich vollständig manuell zu Belichten, damit alle Bilder möglichst konsistent belichtet sind. Die Blende sollte dabei mindestens 2-3 Blendenstufen höher als die größte Blende eingestellt werden (z. B. auf f5.6 bei einem f2.8 Objektiv). Denn dies ist der sogenannte “Sweet Spot”, also der Punkt, an dem das Objektiv die beste Abbildungsqualität besitzt.
Wichtig zu wissen: Damit das automatische Fokus Bracketing funktioniert, benötigst du ein Objektiv mit Autofokus-Motor. Der Fokusmodus sollte jedoch trotzdem auf “M” (Manuell) eingestellt werden, damit du präzise auf den vordersten Punkt fokussieren kannst, der auch scharf sein soll. Bei den restlichen Bildern verschiebt die Kamera den Fokus völlig automatisch Stück für Stück nach hinten.
Ein letzter Schritt, damit die Farben zwischen den Bildern gleich bleiben, ist es den Weißabgleich manuell zu setzen. Halte einfach ein weißes Stück Papier in den Fokusbereich und löse einmal aus, um den Wert zu speichern
Image Quality Setting (IQ) > White Balance > Custom 1
Fast geschafft. Jetzt kann der Aufnahme Modus auf BKT bzw. Focus BKT gestellt werden.
Je nach Modell muss hierfür ein Wahlrad verstellt oder die “Drive”-Taste gedrückt werden
Die spezifischen Einstellungen des Focus BKT besteht aus drei Elementen:
Frames: Die Anzahl der Bilder (für Macroaufnahmen ca. 70-100, für Landschaften ca. 10-20)
Step: Die Größe der Fokussprünge zwischen jeder Aufnahme (für Macroaufnahmen ca. 2-5, für Landschaften 7-10)
Interval: Die Wartezeit zwischen den Aufnahmen. Verwendest du Dauerlicht und den elektronischen Auslöser kann dieser Wert guten gewissens auf 0 Sekunden eingestellt werden. Bei Verwendung eines Blitzes, sollte hier die Recycle-Zeit einberechnet werden.
Zuletzt kann man den Selbstauslöser auf 2 Sekunden stellen, um ein Wackeln beim Drücken des Auslösers zu verhindern.
Wie verwandele ich diese Serie nun in einen Fokus Stack? Damit aus den Einzelbildern nun ein zusammengesetzter und durchgehend scharfer Fokus Stack wird, müssen wir die Aufnahmen per Software übereinanderlegen. Photoshop bietet dafür zwar eine integrierte Möglichkeit, ich arbeite allerdings lieber mit dem darauf spezialisierten Programm Helicon Focus. Der Vorteil von Helicon ist, dass die Berechnung meist sauberer und ohne ungewollte Artefakte abläuft. Außerdem ist es in der Benutzung deutlich einfacher und schneller. Das Programm ist sowohl eigenständig als auch direkt in Lightroom Classic nutzbar.
Um nun endlich das fertige Bild zu entwickeln, importierst du die Fotos in Lightroom Classic, markierst sie und exportierest sie per Rechtsklick > Export > Helicon Focus (TIFF). Es öffnet sich ein zweites Fenster, indem man die Berechnungseinstellungen anpassen kann. Ich nutze meist folgende Werte: Rendering Method A, Radius = 2, Smoothing = 2.
Helicon Focus Rendering
Nach dem Umrechnen kann man das Resultat bei Bedarf noch anpassen und schlussendlich speichern. Anschließend schließt man die Software einfach wieder und der Fokus Stack landet automatisch in Lightroom zur finalen Bearbeitung.
Hier ist das Endresultat:
Fokus Stack aus 70 Bildern, aufgenommen bei 1/320, f2.8, ISO 160 mit dem Viltrox 56mm f1.2